Das Geschlecht der Liebe

Es lebte einmal eine wunderschöne Prinzessin in einem märchenhaften Schloss. Ein Prinz hatte von ihr gehört, er reiste mit seinem ganzen Gefolge und vielen wertvollen Geschenken an, um ihre Liebe zu gewinnen.

Er ging zu ihr, erzählte ihr von sich und seinen Absichten, aber sie lächelte nur.Wie enttäuscht war er, als er am anderen Tag den Gesprächen der Bediensteten entnehmen musste, dass die Prinzessin nur nach schönen Frauen verlangte.

Als er so traurig dastand und überlegte, welchen Sinn sein Bleiben noch haben könnte, kam die Prinzessin, sah ihn stehen, und weil sie seine Gedanken lesen konnte, sagte sie:„Mein lieber Prinz, was macht dich so mutlos? Meine Liebe will ich dir gerne schenken, denn sie hat kein Geschlecht. Aber mein verlangen wird nicht durch deine Gaben gestillt.

Da wurde der Prinz froh, weil sie ihm ihre Liebe schenken wollte, und neue Hoffnung keimte in ihm, es auch mit seinen anderen Geschenken zu versuchen.
All seine Gaben zeigte er ihr, die Blumen in den herrlichsten Farben, die süßesten Tropfen der mitgebrachten Orangen, die Düfte des Lavendel und den Samt der Schmetterlingsflügel, dazu die dünnen Blätter zartester Endivien.

Die Prinzessin lachte und forderte ihn auf, mitzukommen:

In ihrem Garten gab es noch buntere Blumen, ihre Orangen waren unvergleichlich süß und ihr Lavendelduft war noch intensiver, ihre Schmetterlingsflügel waren so samten und zerbrechlich, dass man sie nicht übertreffen konnte.

Da zog der Prinz, ihrer Liebe gewiss, traurig von dannen.

Aber Endivien hatte sie nicht.

Hört mir zu. Ich lüge nicht. Ihr werdet es sehen!

© P. Eitner


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