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Vom
Vergessen (Diese Geschichte heißt in den alten Büchern, von denen nicht eines erhalten ist, auch „Vom Alleinsein der Wesen“, aber das ist ja kein Unterschied) |
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Hoch oben im Norden im grauen Lande, wo die Tage viel kürzer sind als bei uns, lebten zu einer Zeit, die noch keine Menschen kannte, drei kleine Trolle an einem glasklaren Bergsee. Sie verstanden nicht sehr viel von der Welt, denn sie waren meist alleine und niemand kam zu ihnen, um sie etwas zu lehren. Sie ernährten sich redlich von ihrer Hände Arbeit, es reichte für Nahrung, Kleidung und eine bescheidene Höhle, in der sie alle des Abends unter die warme Wollschafsdecke krochen. An schönen Tagen liebten sie es, in der warmen Sonne zu liegen und dem Gesang der Feen auf der anderen Seite des Sees zu lauschen. Sie erträumten sich immer neue Bilder von der Schönheit dieser Wesen, aber hinübergegangen waren sie noch nie; der Weg schien ihnen zu weit und beschwerlich, und sie dachten, manchmal sei es besser von etwas zu träumen, als es zu erleben, denn der Traum von den Feen war sehr schön und sie erzählten einander oft davon, bis sie zufrieden einschliefen. |
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Eines Tages nun kam von den Bergen ein Zauberer, setzte sich neben den Eingang ihrer Höhle und erzählte ihnen von der Schönheit dieser Welt. Er berichtete von den großen Meeren, von Mohnfeldern soweit das Auge reicht, von Bäumen, die einmal im Jahr ihre Blätter verlieren und dann wieder neue bekommen, und von Orten, wo viele Wesen lebten und es gar lustig zuginge. Als er weiterziehen wollte, baten die Trolle den Zauberer zu bleiben. Er willigte ein und so hörten sie mit klopfendem Herzen die Geschichten von Ophir, dem so reichen Land, und von den Geheimnissen Avalons. Die Trolle teilten ihre einfache Nahrung mit dem Zauberer und er beantwortete alle ihre Fragen, so gut er es vermochte. Aber dann kam der unvermeidliche Abschied.
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Die Trolle weinten, denn sie fürchteten, ohne ihn all die schönen Geschichten, die ihren trüben Alltag bunter gemacht hatten, wieder zu vergessen. Er aber strich einem jeden von ihnen über das Haar und riet ihnen, einander die neuen Geschichten zu erzählen, damit sie in Erinnerung blieben. Dann ging er über das Moosfeld und verschwand hinter einem Nebelschleier. |
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In den
nächsten Tagen waren die Trolle oft traurig, denn sie
spürten nun ihre Einsamkeit. Es gab so vieles in dieser
Welt, das sie nicht kannten. So erzählten sie einander
eifrig, was sie von des Zauberers Geschichten behalten hatten,
aber es waren zuviele gewesen und oft wussten sie nicht weiter.
Das machte sie noch trauriger und sie lagen kaum noch in der
Sonne und den Gesang der Feen hörten sie schon lange nicht
mehr. Sie schimpften, wenn einer von ihnen etwas erzählte,
was der andere ganz anders in Erinnerung behalten hatte und dann
gab es Streit, der oft bis tief in den Abend dauerte. |
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Als der
Bruder nicht zurückkehrte, verlangte es bald auch den
zweitältesten Troll nach den Abenteuern dieser Welt. Er
sagte zu seinem Bruder: „Was sitzt du hier und wartest
vergeblich? Unsere Zeit läuft ab, das Leben rinnt uns durch
die Finger. Es gibt mehr als diesen See, ich will das Leben
genießen!“ |
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Und
wenn die Sonne schien, lag er am See, lauschte dem Feengesang und
überlegte, was er ihnen Gutes tun könne. Er
fertigte kleine Geschenke, legte sie nachts auf einen Stein neben
seiner Höhle, in der Hoffnung, die Feen würden sie
finden. Am Morgen aber warf er die Geschenke in den See und
ersann voller Freude neue, die nach einigen Tagen wieder für
eine Nacht auf dem Stein lagen. Und so ging es Woche für
Woche, Monat für Monat. Er schuf immer schönere
Geschenke und seine Geschicklichkeit und Fingerfertigkeit wurden
immer größer.
Denn
Alleinsein macht geduldig. |
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Ein sehr
provozierender Kommentar zu dieser Geschichte wurde in der
späteren Menschenzeit von Arthur
Schoppenhauer geschrieben
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