Die Sternfee.
Wenn ich in der Nacht nicht schlafen konnte, so ging ich an mein Fenster und sah nach den Sternen. Dann dachte ich an die Sternfee. Sie ist etwa so gross wie mein kleiner Finger. Sie hat goldene, kleine Flügel und eine rote Nase. Das kommt von dem Sternstaub, der immer überall herumwuselt. Wenn ein Sternchen stirbt, so ist es eine Sternschnuppe. Die kleine Sternfee wohnt auf einer kleinen Wolke, da schläft sie tagsüber und nachts, wenn es draußen dunkel wird, und der Mond am Himmel scheint, dann kommt sie runter auf die Erde, wo die Kinder schlafen. Sie fliegt durch die Straßen, durch die Häuser und guckt in die Bettchen, ob die Kinder schon schlafen. Und wenn sie friedlich schlummernd in ihren Bettchen liegen, dann fliegt sie weiter zum nächsten Haus. Aber manchmal, da findet sie Kinder, die nicht friedflich schlummernd in ihren Bettchen liegen, sondern traurig sind oder Angst haben. Kinder sind manchmal traurig oder haben Angst, allein im Bett zu schlafen. Ich war oft traurig - oder hatte Angst, dann sass ich in meinem Kleiderschrank, ich kann mich nicht erinnern, jemals in meinem Bett geschlafen zu haben. Immer schlief ich in meinem Kleiderschrank, da war es schön warm und gemütlich und außerdem war man geschützt vor Monstern und Vampiren, dem Oskar aus der Mülltonne von der Sesamstrasse, der immer so böse guckte. Ich habe sie gehasst, auch die bösen, großen Menschen. Sie schrien mich an, weil ich meinen Spinat nicht essen wollte, weil ich meine Autos quer durch die Wohnung geschmissen hatte. Einmal haben sie mir meinen Teddy weggenommen, weil ich meine Wände angemalt hatte. Teddy und ´ich, wir waren unzertrennlich gewesen. Er hat mich immer beschützt und ich durfte immer bei ihm weinen, wenn ich traurig war. Aber dann haben sie ihn mir weggenommen. Eines Nachts kam die Sternfee auch zu mir, ich saß in meinem Kleiderschrank ganz allein, da kam sie zu mir geflogen, quetschte sich durch die Schranktür und landete auf meinen Knien. Sie sah mich an und sagte:" Hallo, meine Kleine, ich bin die Sternfee. " Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte. Schließlich hatte ich noch  nie eine Fee gesehen oder mit einer gesprochen. Klar kannte ich Feen, wie die von Peter Pan, aber die kleine Sternfee war doch echt. Sie flog Kringel und Kreise vor meiner Nase, so dass ihre goldenen Löckchen durch die Luft flatterten. Schließlich landete sie auf meinem Bauch. ich nahm sie auf die Hand, ganz vorsichtig. Sie erzählte mir von ihrer Wolke, auf der sie wohnte und ich erzählte ihr von den Vampiren, den Monstern und von meinem Teddy. Sie hörte mir zu und sah mich nachdenklich an. Dann sagte sie:" Wir sollten zuerst mal versuchen, den Teddy wieder von dem Schrank herunterzubekommen

 

Ich hatte es schon ein paarmal versucht, aber der Schrank war einfach zu hoch gewesen, selbst mit drei Büchern auf dem Stuhl war er immer noch zu hoch. Die Sternfee flog auf den Schrank und schaffte es mit viel Mühe, den Teddy bis an die Kante zu ziehen, so dass er bei mir im Árm landete. Teddy war für die kleine Sternfee wohl doch etwas zu schwer gewesen, dabei war er noch nicht mal so gross. Eigentlich war er ja auch gar kein Teddy, er hatte weder eine Teddy-Nase, noch Teddy-Ohren oder ein Teddy-Fell.
Teddy war rot und sah eher aus wie ein Erdmännchen, oder ein Mars -Männchen. Ja, so war mein Teddy. Auf jeden Fall war die arme kleine Sternfee ganz erschöpft. Ihr Gesicht war vor lauter Anstrengung genau so rot wie ihr Näschen geworden. Wir legten uns wieder in den Kleiderschrank. Die Sternfee sagte, wir sollten jetzt schlafen, sie würde auf uns aufpassen und dann morgen abend wiederkommen. Als Teddy und ich am nächsten Morgen erwachten, war die Sternfee weg. Teddy und ich beschlossen, eine Wohnung für sie zu bauen. Wir nahmen einen Schuh-Karton und malten ihn an. Dann klauten wir den Puppen aus dem Puppenhaus ein paar Möbel, ein ´Bett, in das wir ein Taschentuch als Bettdecke legten, einen Tisch und einen Stuhl. Wir stellten die Wohnung in den Kleiderschrank. Abends kam die kleine Sternfee wieder. Ihr linker Flügel war ganz schwarz. Sie erzähte uns, dass sie ihn  sich verbrannt hatte, als sie versuchte, eine Sternschnuppe zu retten. Ich legte sie erst mal in ihr Bettchen und deckte sie zu. Dann fragte ich sie, warum sie versuchte, Sternschnuppen zu retten und sie begann mir vor den Sternen zu erzählen

Jedes Kind hat einen Stern. Dieser Stern ist wie das Lachen und die Träume von ihm. Wenn die Kinder glücklich sind, wenn sie lachen, und wenn sie Träume haben, von ganz viel schönen Sachen, dann leuchten ihre ´Sterne ganz hell am Himmel. Aber manche Kinder sind traurig und sie verlieren ihr Lachen, ihre Träume. Dann hören die Sterne auf, so hell zu leuchten. Die Kinder werden älter und die grossen Menschen  nehmen ihnen ihre Sterne, ihre Träume, ihr Lachen - dann hören die Kinder auf zu träumen und die Sterne erlöschen. Dann ist da, wo früher einmal der Stern von dem Kind war, nur noch eine schwarze, leere Stelle und der Stern stirbt und fällt als Sternschnuppe von dem Himmel. Aber manche Kinder verlieren nie ihre Sterne, sie behalten ihr Lachen und ihre Träume - auch wenn sie gross sind.

Ich fragte die Sternfee, ob ich auch einen Stern habe und sie erklärte mir, dass sie deshalb bei mir sei, weil mein Stern nicht mehr so hell leuchte wie die anderen. Dann fliegt sie nämlich zu den Kindern, deren Sterne zu erlöschen drohen und gibt ihnen ihre Träume und ihr Lachen zurück. Ich beschloss, nie mehr meinen Stern zu verlieren und wollte versuchen, wieder neue Träume zu finden. Oft kam die kleine Sternfee noch zu mir und ich erzählte ihr von den Blumen, von dem Meer, und vor allem von dem Traum mit den Sternen. Da wo es nachts heller ist als tagsüber, weil es dort keine traurigen Kinder gibt. Mein Steren leuchtet wieder und ich konnte ihn nachts am Himmel sehen, wenn ich auf die Sternfee wartete. Ich konnte nicht verstehen, warum sich die Leute freuten, wenn sie eine Sternschnuppe sahen, es ist doch traurig zu sehen, wie ein Kinderherz stirbt. Aber die grossen Menschen finden das schön. Sie wünschen sich auch dann noch etwas. Die Menschen haben nicht das Recht, die Kinderträume zu zerstören, denn was wäre schon eine Welt ohne Kinder, ohne Träume, ohne Lachen und ohne Sterne ?? Manchmal wollte ich die Sternfee in den Arm nehmen und nie wieder loslassen, aber ich konnte es nicht, weil sie so zerbrechlich war. Ich hatte sie unheimlich lieb, die Sternfee, genau so lieb wie Teddy, nur dass ich es ihr nie gesagt habe. Ich dachte, sie würde für immer bei mir und Teddy in der kleinen Wohnung bleiben. Aber dann kam der Tag, an dem sie mir sagte, dass sie weiterfliegen müsste, weiterfliegen zu anderen Kindern, die drohten, ihre Sterne zu verlieren. Wenn sie nicht ihr Lachen und ihre Träume zurückgeben würden. Und dann ging sie - genau so, wie sie gekommen war. Und ich vermisse sie sehr, die kleine Sternfee, auch wenn ich auch jetzt schon ein grosses Kind bin. Manchmal sehe ich abends in den Schuhkarton in der Hoffnung, dass sie zurückgekommen wäre, aber sie ist nie mehr zurückgekommen. Oft frage ich mich, ob sie mich vergessen hat. Aber wenn ich aus dem Fenster sehe und meinen Stern leuchtend am Himmel sehe, dann weiss ich, sie sieht ihn auch und freut sich darüber, wie er leuchtet. Wenn ich die Sternfee nun auch für immer verloren habe, so bin ich stolz, dass mein Stern leuchtet, so wie sie es haben wollte.

Eine Geschichte von „Sternfee“

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