Zusammenfassung
Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth und erinnert sie zuerst an ihre Identität: Sie sind in Christus geheiligt und zur Gemeinschaft mit ihm berufen. Danach dankt er Gott für die Gnade und die geistlichen Gaben, die sie empfangen haben.
Doch schon früh spricht Paulus ein ernstes Problem an: In der Gemeinde gibt es Parteiungen. Einige rufen sich auf Paulus, andere auf Apollos, Kefas oder sogar "Christus". Diese Namen werden zu Abgrenzungsmarken. Paulus fragt pointiert: Ist Christus zerteilt? Wurde Paulus für euch gekreuzigt?
Dann richtet er den Blick auf das Zentrum: das Wort vom Kreuz. Für viele wirkt es töricht, aber für die Glaubenden ist es Gottes Kraft. Gott wählt das Schwache, damit niemand sich rühmt. Am Ende steht der Satz: Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn.
Theologische Interpretation
Die Spaltungen sind mehr als unterschiedliche Vorlieben. Sie offenbaren ein Herz, das Anerkennung aus menschlichen "Marken" zieht. Das Evangelium aber schafft eine neue Zugehörigkeit: nicht "mein Lehrer", sondern "mein Herr". Darum ist Parteigeist letztlich eine Christus-Frage: Wer sitzt praktisch auf dem Thron, wenn wir uns über Namen, Gruppen oder „Schulen“ definieren?
Paulus stellt das Kreuz als Maßstab gegen jede religiöse Selbsterhöhung. Gottes Weisheit kommt nicht als Triumph menschlicher Klugheit, sondern als gekreuzigte Liebe. Darum kippt das Kreuz die üblichen Ranglisten: Status, Bildung, Herkunft oder Redekunst können nicht die Grundlage der Einheit sein. Wer auf Christus baut, muss nicht mehr „gewinnen“, um wertvoll zu sein – er ist bereits angenommen.
Die Berufung Gottes ist damit zugleich entwaffnend und tröstlich: Er hat uns nicht ausgewählt, weil wir glänzen, sondern damit Christus glänzt. Einheit entsteht dort, wo alle am selben Ort stehen – unter dem Kreuz – und niemand darüber. So wird auch die Gemeinde als Körper sichtbar: viele Gaben, aber ein Herr, eine Gnade, ein gemeinsames Bekenntnis.
Bedeutung für uns heute
Auch heute können Gemeinden in "Lager" zerfallen: Stilfragen, Traditionen, Lieblingsprediger, politische Nebenkriege oder die Frage, wer "richtig" geistlich ist. 1. Korinther 1 ruft uns zurück: Der Name, der uns verbindet, ist Jesus. Einheit heißt dabei nicht Gleichförmigkeit, sondern dass Unterschiede nicht mehr als Waffen benutzt werden, sondern als Gaben dienen.
Praktisch heißt das: Wir dürfen Unterschiede wertschätzen, aber nicht vergötzen. Wenn ein Gespräch mehr Hitze als Hoffnung erzeugt, hilft die Frage: Dient das dem Kreuz – oder meinem Ego? Manchmal ist der geistlichste Schritt, bewusst zuzuhören, ein Missverständnis zu klären und dem anderen erst einmal gute Absichten zu unterstellen.
Das Kapitel lädt außerdem ein, den eigenen "Ruhm" zu prüfen. Wo definiere ich mich über Leistung, Wissen oder fromme Disziplin? Paulus zeigt einen besseren Grundton: Dankbarkeit. Wer sich des Herrn rühmt, muss andere nicht klein machen. Das kann ganz konkret werden: weniger Selbstinszenierung, mehr Ermutigung; weniger Vergleichen, mehr Fürbitte – und ein klarer Blick darauf, dass Gott gerade im Schwachen wirkt.
Fazit
Paulus beginnt nicht mit einem Organisationsplan, sondern mit dem Evangelium. Das Kreuz ist nicht nur der Einstieg in den Glauben, sondern das Fundament für Einheit, Demut und Kraft.
Wo wir das Kreuz in die Mitte stellen, wird aus Konkurrenz wieder Gemeinschaft. Und aus einem Stolz, der trennt, wird ein Ruhm, der Gott ehrt.
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