Zusammenfassung
Paulus spricht die Korinther direkt an: Er konnte zu ihnen nicht wie zu „Geistlichen“ reden, sondern wie zu Menschen, die noch unreif sind. Statt fester Speise brauchten sie Milch. Der Beweis liegt in ihrem Alltag: Eifersucht, Streit und Parteigeist zeigen, dass sie sich noch stark von menschlichen Maßstäben leiten lassen.
Er erklärt dann, wie diese Lager entstehen: Die einen sagen „Ich halte zu Paulus“, die anderen „Ich zu Apollos“. Paulus antwortet nüchtern: Beide sind Diener. Paulus hat gepflanzt, Apollos hat begossen – aber Gott gibt das Wachstum. Die Gemeinde ist Gottes Ackerfeld, und jeder Mitarbeiter steht letztlich in Gottes Auftrag.
Im zweiten Bild ist die Gemeinde ein Bau. Paulus hat als „weiser Baumeister“ das Fundament gelegt, und andere bauen darauf. Das Fundament ist einzig Jesus Christus. Wie gebaut wird, ist jedoch nicht egal: Am Tag Gottes wird das Werk geprüft, wie durch Feuer. Was echt ist (Gold, Silber, Edelsteine), bleibt; was oberflächlich ist (Holz, Heu, Stroh), verbrennt – und dennoch kann der Mensch selbst gerettet werden, aber wie „durchs Feuer“. Paulus schärft schließlich ein: Die Gemeinde ist Gottes Tempel. Wer sie zerstört, stellt sich gegen Gott.
Theologische Interpretation
Paulus unterscheidet zwischen Christsein und Reife. „Fleischlich“ bedeutet hier nicht, dass jemand ohne Glauben wäre, sondern dass das Evangelium zwar bekannt ist, aber die Muster der alten Welt noch regieren: Vergleichen, Rechthaben, Machtspiele. Reife ist daher keine Frage von Jahren, sondern von Hingabe: Wer lässt sich vom Kreuz korrigieren?
Das Bild vom Pflanzen und Begießen schützt die Gemeinde vor Personenkult. Mitarbeiter sind wichtig, aber nicht die Quelle. Gott bleibt der Geber des Lebens. Damit wird auch jede geistliche Konkurrenz entlarvt: Wenn Gott Wachstum schenkt, kann niemand es „machen“ und sich damit schmücken. Das fördert Dankbarkeit, Kooperation und Demut – und es heilt den Blick, der alles nach „Erfolg“ bewertet.
Mit dem Bau-Bild verbindet Paulus Lehre und Ethik. Das Fundament Christus ist objektiv gegeben; darauf bauen wir mit Entscheidungen, Prioritäten, Lehre, Umgangston und Dienstformen. Die Feuerprobe zeigt: Es gibt Qualität im Dienst. Nicht alles, was heute funktioniert oder beeindruckt, ist vor Gott tragfähig. Der Tempel-Gedanke macht die Würde der Gemeinde sichtbar: Gott wohnt in seinem Volk. Darum sind Spaltungen, Zynismus oder Manipulation nicht nur „schlechte Stimmung“, sondern Angriffe auf Gottes Wohnort.
Bedeutung für uns heute
Auch heute ist Unreife oft nicht an fehlendem Wissen zu erkennen, sondern an der Atmosphäre: Wird viel verglichen? Redet man abwertend über andere Gemeinden? Dreht sich alles um „meinen Stil“, „meine Gruppe“, „meinen Leiter“? 1. Korinther 3 ruft uns aus der Zuschauerrolle heraus: Wir sind nicht Fans, sondern Teil von Gottes Bau – und verantwortlich für das Klima.
Das Kapitel hilft auch gegen die Fixierung auf Zahlen und sichtbare Resultate. Wachstum bleibt Gottes Sache. Unsere Aufgabe ist Treue: beten, säen, dienen, dranzubleiben. Gerade in den 2020er Jahren, wo viele Gemeinden mit Umbrüchen, Polarisierung oder Erschöpfung kämpfen, ist das befreiend: Gott erwartet nicht Perfektion, sondern ein Herz, das sich von ihm formen lässt.
„Mit Gold bauen“ kann heute heißen: Menschen nicht als Projekt behandeln, sondern als Brüder und Schwestern; Wahrheit nicht als Keule, sondern als Dienst; Leiterschaft nicht als Bühne, sondern als Verantwortung. Und manchmal ist der mutigste Schritt, Holz und Stroh loszulassen: Dinge, die viel Energie kosten, aber wenig Frucht bringen – damit Raum entsteht für das, was Christus wirklich trägt.
Fazit
Paulus führt die Korinther weg von Menschenfixierung hin zu Gottes Perspektive: Er gibt Wachstum, Christus ist das Fundament, und unser Werk wird geprüft.
Wer das ernst nimmt, lebt gelassener und zugleich verantwortlicher: gelassener, weil Gott trägt; verantwortlicher, weil das, was wir bauen, Gewicht hat. Gemeinde ist kein Spielplatz für Eitelkeit, sondern Gottes Tempel – ein Ort, an dem seine Gegenwart sichtbar werden will.
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