1. Korinther 16 – Sammlung, Dienstpläne und ein Herz voller Grüße

Zusammenfassung

Paulus kommt im letzten Kapitel zu praktischen Anweisungen. Zuerst geht es um die Sammlung („Kollekte“) für die Heiligen in Jerusalem. Die Korinther sollen – wie Paulus es auch den Gemeinden in Galatien gesagt hat – am ersten Tag der Woche regelmäßig etwas beiseitelegen, je nachdem, wie es ihnen möglich ist. So soll die Hilfe nicht erst bei Paulus’ Ankunft hektisch zusammengetragen werden.

Paulus kündigt an, dass er nach Mazedonien reisen will und eventuell länger in Korinth bleiben möchte, vielleicht sogar über den Winter. Er möchte nicht nur „im Vorbeigehen“ bei ihnen sein, sondern Zeit haben, wenn der Herr es ermöglicht. Gleichzeitig bleibt er zunächst in Ephesus, weil sich dort „eine große und wirksame Tür“ geöffnet hat – auch wenn viele Gegner da sind. Das zeigt: Fruchtbarkeit und Widerstand können zusammen auftreten.

Paulus bittet um einen guten Empfang für Timotheus: Er soll ohne Furcht bei ihnen sein, denn er tut das Werk des Herrn. Niemand soll ihn verachten; man soll ihn in Frieden weitergeleiten. Über Apollos sagt Paulus, er habe ihn ermutigt zu kommen, aber Apollos wolle im Moment nicht; er werde kommen, wenn es passt. Damit wird deutlich: Mitarbeiterschaft ist kein Machtspiel, sondern geistliche Freiheit.

Paulus nennt weitere Mitarbeiter: Stephanas und sein Haus haben sich in den Dienst der Heiligen gestellt. Die Gemeinde soll solchen Menschen anerkennend „untergeordnet“ sein – also ihre Leitungs- und Dienstrolle respektieren. Paulus freut sich über Stephanas, Fortunatus und Achaikus, die ihn erquickt haben, und er bittet, solche zu würdigen.

Dann folgen kurze, dichte Ermahnungen: Wacht, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark. Alles bei euch geschehe in Liebe. Schließlich kommen Grüße aus den Gemeinden Asiens, von Aquila und Priszilla und der Hausgemeinde. Paulus betont: Sein Gruß kommt eigenhändig. Wer den Herrn nicht liebt, sei verflucht. Dann ruft er: Maranatha – unser Herr kommt! Er schließt mit Gnade und Liebe: „Die Gnade des Herrn Jesus sei mit euch. Meine Liebe sei mit euch allen in Christus Jesus.“

Theologische Interpretation

1. Korinther 16 zeigt, dass Theologie in Praxis mündet. Nach schweren Themen (Spaltungen, Sexualethik, Gaben, Auferstehung) endet Paulus nicht im Abstrakten, sondern in geordnetem Handeln. Die Sammlung für Jerusalem ist dabei ein Ausdruck der Einheit der Kirche: Heidenchristen helfen Judenchristen. Theologisch ist das ein sichtbares Zeichen, dass in Christus eine neue Familie entstanden ist, die über Grenzen von Ethnie und Region hinweg trägt.

Dass Paulus den ersten Tag der Woche nennt, deutet die frühe christliche Rhythmik an: das Leben wird um den Auferstandenen herum geordnet. Geben wird nicht als Zwang, sondern als regelmäßige, bewusste Antwort auf Gottes Gnade gestaltet. So wird Großzügigkeit zu einer geistlichen Übung – nicht impulsiv, sondern treu.

Paulus’ Reisepläne zeigen Gottes Leitung im Alltag. Er plant, aber mit dem Zusatz „wenn der Herr es erlaubt“. Theologisch verbindet sich hier Verantwortung mit Abhängigkeit: Christen treffen Entscheidungen, aber sie tun es im Bewusstsein, dass Gott Türen öffnet und schließt. Die offene Tür in Ephesus bei gleichzeitigem Widerstand zeigt zudem: Gottes Wirken ist nicht immer der Weg des geringsten Widerstands; Opposition kann gerade ein Zeichen sein, dass das Evangelium wirkt.

Die Hinweise zu Timotheus, Apollos und Stephanas zeichnen ein Bild geistlicher Leiterschaft ohne Kontrolle. Paulus respektiert die Freiheit anderer Mitarbeiter (Apollos kommt nicht auf Befehl), schützt Jüngere (Timotheus soll nicht verachtet werden) und ehrt dienende Leiter (Stephanas). Theologisch ist das eine Gemeindeordnung, die aus Liebe entsteht: Autorität dient, und Gemeinde unterstützt.

Der Abschluss mit „Maranatha“ verbindet Alltag und Eschatologie. Der Ruf „Unser Herr kommt!“ setzt Perspektive: Alle Planung, alles Geben, alles Dienen steht unter dem Horizont der Wiederkunft Christi. Gleichzeitig endet Paulus mit Gnade und Liebe. Das schützt vor Härte: Er hat klar ermahnt – aber er schließt nicht mit Drohung, sondern mit dem Duft des Evangeliums.

Bedeutung für uns heute

1. Korinther 16 spricht in unsere Zeit, weil es zeigt, wie geistliches Leben strukturiert werden kann. Viele sehnen sich nach mehr Stabilität: Paulus empfiehlt einen einfachen Rhythmus – regelmäßig beiseitelegen, statt hektischer Aktionen. Das lässt sich heute auf Spenden, Hilfsprojekte oder auch auf Zeit und Aufmerksamkeit übertragen: Treue im Kleinen schafft Verlässlichkeit für andere.

Die Sammlung für Jerusalem erinnert daran, dass Gemeinde nicht nur „lokal“ ist. In einer vernetzten Welt können Christen konkrete Not weltweit sehen – und zugleich Gefahr laufen, im Informationsstrom zu erstarren. Paulus hilft: nicht alles zugleich, aber gezielt und geordnet helfen. Wer regelmäßig gibt, wird handlungsfähig, ohne sich von jeder Schlagzeile treiben zu lassen.

Paulus’ Reise- und Tür-Sprache ermutigt zur geistlichen Nüchternheit in Planung. Viele erleben heute Unsicherheit (Beruf, Gesundheit, Weltlage). Der Satz „wenn der Herr es erlaubt“ ist kein Fatalismus, sondern Frieden: Ich darf planen und gleichzeitig loslassen. Und: Eine offene Tür kann mit Gegenwind kommen – etwa in Ehrenamt, Familie, Gesprächen über den Glauben. Widerstand bedeutet nicht automatisch, dass man falsch ist.

Die Hinweise zu Mitarbeitenden sind hochaktuell für Teamkultur: Jüngere nicht verachten, Dienende ehren, niemanden zum Werkzeug machen. Das schützt Gemeinden vor Burnout und Machtspielen. Und die kurzen Imperative sind wie ein geistliches Fitnessprogramm: wachsam bleiben (nicht einschlafen im Glauben), standhaft bleiben (nicht mit jeder Stimmung kippen), mutig handeln (nicht aus Angst schweigen), stark werden (Kraft aus Christus ziehen) – und alles in Liebe tun.

„Maranatha“ kann heute gegen Zynismus helfen. Wenn Christus kommt, ist Geschichte offen – nicht festgefahren. Hoffnung macht Menschen freundlich und mutig zugleich. Und die letzten Worte „Gnade“ und „Liebe“ erinnern: Christsein endet nicht im Organisieren, sondern im Evangelium.

Fazit

1. Korinther 16 zeigt einen Glauben, der Hände und Füße bekommt: geordnetes Geben, reife Planung, wertschätzende Mitarbeit und ein waches Herz.

Paulus schließt den Brief nicht nur mit Grüßen, sondern mit einer Haltung: Standhaft in Wahrheit, weich im Herzen, großzügig im Handeln – und ausgerichtet auf den kommenden Herrn. So lebt Gemeinde als Familie der Gnade.

Studienfragen

  1. Welche Form regelmäßiger Großzügigkeit (Geld, Zeit, Aufmerksamkeit) wäre für Sie realistisch – und warum?
  2. Was bedeutet für Sie „wenn der Herr es erlaubt“: eher Trost oder eher Herausforderung in Ihrer Planung?
  3. Wo erleben Sie gerade eine „offene Tür“ – vielleicht sogar mit Widerstand – und wie könnten Sie darin treu bleiben?
  4. Wie kann Ihre Gemeinde Mitarbeitende (Junge, Leise, Dienende) besser ehren und schützen?
  5. Was löst der Ruf „Maranatha“ in Ihnen aus, und wie verändert er Ihren Blick auf Alltag und Zukunft?