Zusammenfassung
Am Morgen führen die Leiter Jesu zu Pilatus. Pilatus fragt: „Bist du der König der Juden?“ Jesus antwortet knapp. Trotz vieler Anklagen schweigt er, sodass Pilatus sich wundert. Zum Fest pflegt Pilatus einen Gefangenen freizugeben; die Menge fordert auf Anstiften der Priester Barabbas, während Jesus gekreuzigt werden soll. Pilatus gibt nach, lässt Jesus geißeln und übergibt ihn. Soldaten verspotteten Jesus als König, setzen ihm eine Dornenkrone auf und schlagen ihn. Dann führen sie ihn zur Kreuzigung. Simon von Kyrene wird gezwungen, das Kreuz zu tragen. Auf Golgatha wird Jesus zwischen zwei Verbrechern gekreuzigt. Vorübergehende und religiöse Führer verhöhnen ihn: Er rette andere, sich selbst aber nicht. Von der sechsten bis zur neunten Stunde wird es dunkel. Jesus schreit: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ und stirbt. Der Tempelvorhang zerreißt von oben bis unten. Ein römischer Hauptmann bekennt: „Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn!“ Frauen sehen zu, darunter Maria Magdalena. Josef von Arimathäa bittet mutig um den Leichnam, legt Jesus in ein Felsengrab und wälzt einen Stein davor.
Theologische Interpretation
Markus 15 zeigt den paradoxen König: Jesu Krone ist Dornen, sein Thron ist das Kreuz. Der Tausch mit Barabbas ist ein greifbares Bild der Stellvertretung: Der Schuldige wird frei, der Unschuldige nimmt den Platz ein. Jesu Schweigen vor Pilatus offenbart seine freiwillige Hingabe; er wird nicht überwältigt, sondern gibt sich. Die Finsternis und der Schrei der Gottverlassenheit zeigen die Tiefe des Gerichts, das Jesus trägt. Er geht in die Gottesferne hinein, damit Sünder nicht dort bleiben müssen. Das Zerreißen des Tempelvorhangs ist ein theologischer Paukenschlag: Der Zugang zu Gott wird geöffnet, nicht durch menschliche Leistung, sondern durch das Opfer Christi. Dass ein römischer Hauptmann Jesus als Gottes Sohn erkennt, deutet die weltweite Reichweite des Evangeliums an: Gerade am Kreuz wird Jesu wahre Identität sichtbar. Josef von Arimathäa zeigt, dass Mut manchmal still ist: Er bekennt sich, als andere schweigen. Markus legt damit den Grund: Erlösung geschieht nicht durch Macht, sondern durch Liebe, die bis ans Ende geht.
Aktualisierung
Markus 15 setzt heute einen eigenen Schwerpunkt: Wie gehen Menschen und Systeme mit Wahrheit um? Pilatus erkennt etwas, aber er handelt gegen sein Wissen, weil er den Druck der Menge fürchtet. Das erinnert an unsere Zeit, in der Entscheidungen oft von Stimmungen, Bildern und Lautstärke getrieben werden. Das Kapitel fragt: Wo gebe ich nach, obwohl ich es besser weiß – aus Angst vor Konflikt oder Verlust? Ein zweiter Aspekt ist die Entmenschlichung durch Spott. Jesu Leid wird zur Unterhaltung; das ist erschreckend aktuell, wenn Menschen im Netz verhöhnt, gedemütigt oder öffentlich zerlegt werden. Christen sind gerufen, dem eine andere Kultur entgegenzusetzen: Würde wahren, auch wenn man widerspricht. Drittens: Der Schrei „Warum?“ gibt Sprache für Leid. In den 2020ern erleben viele Trauer und Sinnkrisen – durch Krankheit, Einsamkeit, Kriegserfahrungen, Verlust. Markus 15 zeigt: Der Glaube muss das „Warum“ nicht verbieten. Jesus kennt diese Tiefe. Damit wird das Kreuz zu einem Ort, an dem Leid nicht weggeredet, sondern getragen wird. Viertens: Der zerrissene Vorhang spricht von Zugang. Viele Menschen spüren heute Distanz zu Institutionen, auch zur Kirche. Markus 15 sagt: Der Weg zu Gott läuft nicht über heilige Systeme, sondern über Christus selbst. Ansätze in die richtige Richtung sieht man dort, wo Gemeinden nicht sich selbst ins Zentrum stellen, sondern Christus: klare Verkündigung, offene Gebetsräume, Begleitung Trauernder, und praktische Nächstenliebe. Und schließlich Josef: Mut kann heißen, im entscheidenden Moment Verantwortung zu übernehmen – für einen Menschen, für Wahrheit, für ein anständiges Ende.
Fazit
Markus 15 führt an den tiefsten Punkt: Jesus stirbt als der leidende König. Spott, Ungerechtigkeit und Angst stehen ihm gegenüber, doch sein Opfer öffnet den Weg zu Gott. Der Vorhang zerreißt, ein Heide bekennt, und ein Jünger handelt mutig. Am Kreuz wird sichtbar: Gottes Liebe ist nicht Theorie, sondern Hingabe für viele.
Studienfragen