Markus 6 – Ablehnung, Sendung und Jesu barmherzige Fülle


Zusammenfassung

Jesus kommt nach Nazareth. In der Synagoge staunen viele über seine Weisheit, nehmen aber Anstoß: Ist das nicht der Zimmermann? Weil sie sich ärgern, kann Jesus dort nur wenige heilen; er wundert sich über ihren Unglauben. Dann sendet er die Zwölf jeweils zu zweit aus. Sie sollen leicht reisen, Umkehr predigen, Kranke salben und unreine Geister austreiben. Herodes hört von Jesus und meint, Johannes der Täufer sei auferstanden. Markus schildert daraufhin den Tod des Johannes: Herodes lässt ihn auf Drängen von Herodias und nach einem unbedachten Eid enthaupten. Die Apostel kehren zurück, und Jesus will mit ihnen an einen einsamen Ort. Doch die Menschen laufen voraus. Jesus sieht sie wie Schafe ohne Hirten, lehrt sie viel und lässt schließlich fünftausend Männer mit fünf Broten und zwei Fischen satt werden; zwölf Körbe bleiben übrig. Danach zwingt er die Jünger ins Boot, während er betet. In der Nacht geraten sie in Gegenwind; Jesus kommt auf dem Wasser zu ihnen und spricht: „Ich bin’s, fürchtet euch nicht.“ Im Boot legt sich der Wind. In Gennesaret erkennen ihn die Leute, bringen Kranke herbei, und viele werden gesund, die nur sein Gewand berühren.

Theologische Interpretation

Markus 6 verbindet drei Themen: Unglaube, Sendung, Versorgung. In Nazareth wird sichtbar, wie Nähe blind machen kann: Wer Jesus in Schubladen steckt, verpasst Gottes Besuch. Der Glaube ist nicht Magie, aber die Haltung des Herzens entscheidet, ob wir uns öffnen. Die Aussendung der Zwölf zeigt: Jesu Dienst soll sich vervielfachen. Er gibt Vollmacht, aber auch eine Lebensweise: Einfachheit, Abhängigkeit, klare Botschaft. Der Tod Johannes’ entlarvt menschliche Macht: Eitelkeit, Angst vor Gesichtsverlust und manipulative Dynamiken führen zum Unrecht. Dagegen steht Jesu Königshandeln: Er sieht die Menge mit Erbarmen, lehrt und nährt sie. Die Speisung erinnert an die Wüste Israels und deutet zugleich auf Gottes Überfluss in Christus hin. Das Gehen auf dem Wasser offenbart Jesu Identität noch tiefer: Er tritt in den Sturm und spricht Worte, die an Gottes Selbstoffenbarung erinnern. Die Jünger lernen: Wer Jesus folgt, ist nicht sturmfrei, aber nie allein. Und Jesu Gebet zwischen den Szenen macht deutlich: Seine Kraft fließt aus der Gemeinschaft mit dem Vater.

Aktualisierung

Markus 6 trifft unsere Zeit dort, wo Vertrautheit und Zynismus Glauben ersticken. Viele sagen: „Kennen wir doch alles“ – und verlieren den Staunen-Moment. Der Text ruft zu einer neuen Offenheit: Gott kann gerade im Bekannten reden. Die Aussendung der Zwölf passt in eine Epoche, in der Kirche nicht mehr selbstverständlich „Zentrum“ ist. Umso wichtiger werden kleine, bewegliche Formen: Zweierschaften, Hauskreise, Besuche, seelsorgerliche Wege. Ansätze in die richtige Richtung sieht man dort, wo Christen nicht nur Programme anbieten, sondern präsent sind – in Nachbarschaft, Pflege, Schule, Ehrenamt. Der Bericht über Herodes erinnert politisch daran, wie gefährlich es ist, wenn Wahrheit von Image-Management abhängt. Auch heute werden Entscheidungen manchmal aus Angst vor Shitstorms, Umfragewerten oder Machtverlust getroffen. Markus 6 ruft zu Mut und Integrität: Gottes Boten sollen Wahrheit sagen, ohne Zynismus, aber klar. Die Speisung spricht in eine Welt, in der viele Mangel erleben: finanziell, emotional, geistlich. Jesus beginnt mit dem Wenigen, das da ist, und macht daraus genug. Das kann Gemeinden motivieren, Ressourcen zu teilen und kreative Hilfe zu leisten. Und der Sturm? Viele leben in Gegenwind: Krisen, Krankheit, Unsicherheit. Jesu Wort „Fürchtet euch nicht“ ist kein Leugnen der Realität, sondern eine Einladung, mitten im Wind auf seine Gegenwart zu achten. Wer betet, gewinnt nicht immer sofort Ruhe, aber einen Halt, der trägt.

Fazit

Markus 6 zeigt den Kontrast zwischen menschlicher Macht und Jesu barmherziger Autorität. Ablehnung kann den Glauben dämpfen, aber sie stoppt Gottes Auftrag nicht. Jesus sendet, versorgt und kommt in den Sturm. Wo wir uns ihm öffnen, werden aus kleinen Gaben Brot für viele – und aus Angst wächst Vertrauen.

Studienfragen

  1. Warum stolpern die Menschen in Nazareth über Jesus – und wo droht mir „Vertrautheits-Blindheit“?
  2. Was lehrt die Aussendung der Zwölf über Abhängigkeit von Gott und über einfache Nachfolge?
  3. Welche Warnsignale siehst du in der Herodes-Geschichte (Eitelkeit, Gruppendruck, Angst vor Gesichtsverlust)?
  4. Wie kann dein „Weniges“ (Zeit, Kraft, Geld, Begabung) in Jesu Hand für andere zum Segen werden?
  5. Was bedeutet es für dich konkret, Jesus im „Gegenwind“ zu vertrauen?