"Ich brauche mehr Geld" ,forderte der Hase,

als Gott wieder einmal an seinem Bau vorbeikam, "weißt du eigentlich, wie schrecklich es ist, arm zu sein? Der letzte Winter war kalt und lang, da könnte ich gut ein paar Taler extra gebrauchen, sonst bin ich bald genauso arm wie die Mäuse nebenan. Manchmal hört man ihr Wimmern und Weinen schon bis hierher, wenn die mal wieder nichts zu essen haben für ihre Kinder. Du hast ja alles, also gib mir doch auch mal ein wenig mehr!"

Gott sah den kleinen Hasen an, lächelte, gab ihm eine goldene Münze und ging seiner Wege.

Beglückt eilte das Häschen in seine Höhle und legte die wertvolle Gabe unter eine Baumwurzel. Dann streckte es sich genießerisch auf seinen Schlafplatz und träumte, was es nun alles erwerben könnte: neue Vorräte und vielleicht eine größere Höhle? Aber bestimmt ein weicheres Fell zum Schlafen und einen warmen Umhang für den Winter. Als es aufwachte, lief es sofort zur Baumwurzel, um nach seinem Schatz zu sehen. Gottseidank war der noch an der besagten Stelle, aber war dies der richtige Platz, um etwas so Wertvolles aufzubewahren? Jeder, der hereintrat, konnte das blinkende Goldstück sehen, da wäre es doch besser, wenn man......
Gesagt getan, der kleine Hase holte Blätter und Zweige, um die Münze zu verbergen, aber wenn nun jemand hereinträte, die frischen Blätter und Zweige sähe, würde er dann nicht vermuten, dass dahinter etwas verborgen war? Also nahm er das Geldstück und versteckte es unter seiner Schlafdecke und legte sich darauf. Nun war sein Schatz endlich in Sicherheit und der kleine Hase zufrieden.

Nach geraumer Zeit verspürte er Hunger, aber wie sollte er Futter holen? Musste er doch sein Geldstück bewachen und durfte die Decke nicht verlassen. Ja, alle Zugänge zu seiner Höhle musste er verschließen und so sammelte er Zweige und Blätter und arbeitete und arbeitete, bis die Sonne schon rot vom Himmel herniedersank. Als sein Nachbar, der Hamster, ihn fragte, was er da mache, antwortete er, niemand sei heute mehr sicher, nicht einmal in seinem eigenen Hause, und er arbeitete, bis ihm die Schweißperlen herunterliefen. Erst spät in der Nacht sank er ermattet auf seine Schlafdecke und spürte die harte Münze darunter. In der Nacht träumte er von misstrauischen Hamstern, die um seine Höhle herumschlichen und Schlupflöcher suchten, um bei ihm einzubrechen und ihn zu bestehlen. So beschloss er am Morgen, niemanden mehr hereinzulassen, und als ihn das kleine Hasenmädchen von nebenan besuchen wollte, das er eigentlich recht lieb hatte, wurde sogar sie barsch abgewiesen. So wurde es einsam um ihn, und der arme kleine Hase wurde schmaler und schwächer, denn er verließ die Höhle nur noch in dunkelster Nacht, um ein karges Abendbrot zu finden. Er versteckte seine Goldmünze an den verschiedensten Stellen in seinem Bau und hatte schon Kopfschmerzen davon, immer neue sichere Plätze zu finden. Als er gerade mit letzter Kraft eine tiefe Grube schaufelte, kam Gott wieder an seiner Höhle vorbei. "Na , kleiner Hase, wie geht es dir?" , fragte er teilnahmsvoll. Und da der Hase wusste, dass man Gott sowieso nicht belügen kann, antwortete er mit trauriger Mine: "Schlecht, ziemlich schlecht, aber sag Gott, weißt du nicht, wo ich meine Münze sicher anlegen kann?"

"Bei den Mäusen" , sagte Gott lächelnd und strich dem kleinen Hasen liebevoll über den Kopf.

Da lief dieser so schnell er konnte zu den Mäusen, die sich sehr über die unverhoffte Hilfe freuten, denn ihre Not hatte nun ein Ende.
Aber unser Hase aß von diesem Tag an wieder Mohrrüben, sein Bau stand jederman offen, sogar das kleine Hasenmädchen vom Nachbarbau lud er mit roten Ohren zu einer Tasse Mohrrübentee ein und er träumte wieder schöne Träume, hatte er doch gelernt, dass nicht alles, was man von Gott erbittet, gut für einen ist.


Sammelt euch nicht Schätze auf Erden,
wo sie die Motten und der Rost fressen,
sammelt euch vielmehr Schätze im Himmel
Matth. 6 Vers 19+20
©2000P.Eitner





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