Lisa lacht |
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„Lisa,
kommst du endlich, wir müssen los“, rief Mama und
Lisa beeilte sich, ihre neue Sommerjacke zuzuknöpfen.
Sonntags gingen sie in die Kirche, nicht immer zu ihrer Freude,
aber Papa meinte, wenn die Woche 168 Stunden hat, kann man doch
eine Stunde davon mit Gott verbringen. Sie hatte schon
hundertmal versucht, Papa davon zu überzeugen, dass das mit
den 168 Stunden Unsinn sei, denn mindestens 56 Stunden würde
man ja schlafen, aber er hatte gelacht und behauptet, auch der
Schlaf gehöre ja uns. Eine
junge Frau mit ihrem Baby war auch oft da, sie ging immer raus,
wenn das Baby zu schreien anfing. Und dann waren da noch ein
paar andere, aber nie sehr viele. Auch schön laut, dachte sie und begann mit ihren Fingern die Musik zu dirigieren, natürlich so, dass es niemand sehen konnte. Dabei
blieben ihre Blicke an dem großen Kreuz hängen. Und wieder begann die Orgel zu spielen, als Lisa ganz zufällig zu den alten Damen aus dem Pflegeheim hinübersah, die sich anschickten, das Lied „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ zu singen. Was
hat die eine Oma für ein seltsames durchsichtiges Kopftuch
umgebunden, dachte Lisa gerade, als sie sah, dass bei
„Looooobe.den Herren...“ der Kopf der alten Dame zur
Seite knickte, einfach so. Das ist ja komisch, dachte sie, aber
dann fiel ihr ein, dass das genau so aussah wie bei ihrem alten
Teddy zu Hause. Sie liebte ihn, solange sie denken konnte, und
jedes Mal, wenn sie ihn in den Sessel drückte baumelte sein
Kopf zur Seite oder nach vorne. War wohl schon etwas
ausgeleiert. Ruckartig hob die alte Frau plötzlich ihren
Kopf, aber schon bei „Psalter und Harfe wacht aaaauf...“
knickte er wieder zur Seite, genau wie bei ihrem Teddy zu Hause.
Lisa musste lachen. Das sah gar zu komisch aus. Sie gluckste
herum und versuchte, das Lachen zu unterdrücken. Mama sah
sie mit gerunzelter Stirn an. Lisa wollte woanders hin gucken,
aber es ging nicht, es sah einfach zu lustig aus, wie bei der
alten Dame der Kopf samt Kopftuch immer wieder nach vorne fiel.
Und als das Lied fast zu Ende war, konnte Lisa sich nicht mehr
halten. Sie prustete los und lachte, dass es von den
Kirchenmauern widerhallte.
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Eine Geschichte von ©P.Eitner |
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© P. Eitner