|
Lisa weint |
|
|
Lisa
hüpfte fröhlich über die Wegplatten im Park. Sie
war auf dem Weg nach Hause und hatte allen Grund fröhlich
zu sein. Im Fach Kunst hatte sie für ihr Bild eine Zwei
plus bekommen. Eigentlich bekam sie für ihre Werke sonst
oft nur eine Drei. Denn die Lehrerin, Frau Claussen, musste
oftmals nachfragen, was das denn sein solle, was Lisa da
gemalt habe, und Lisa musste es ihr jedes Mal erklären.
Dann sagte Frau Claussen meistens: „Lisa, du bist sehr
kreativ.“ und gab ihr eine Drei. Lisa wusste nicht so
genau, was „kreativ“ heißt, aber mit einer
Drei war sie zufrieden. Doch dieses Mal sollten sie Tiere im
Wald zeichnen und Bäume, das konnte Lisa gut. Viele
dunkelbraune Stämme, Äste und Zweige, ein paar grüne
Blätter und zwei längliche hellbraune Eichhörnchen
mit Schnauze und Augen und so. Richtig niedlich sahen die aus.
Das fand auch Frau Clausen und hatte daher die Zwei plus
darunter geschrieben. Ihre
Mutter stand auf, ging zu ihrem Nachtschränkchen und nahm
ein großes, dickes Buch heraus. Das größte und
dickste, das sie im Haus hatten. Lisa wusste, dass es die Bibel
war, in der stand viel vom Himmel und von Gott und so. Mama
schlug sie auf und las ihr vor: Gott wird im Himmel alle Tränen
abwischen und es wird keinen Tod, keine Trauer und keinen
Schmerz mehr geben, denn was einmal war, ist für immer
vorbei*. Mama klappte das Buch zu. Wenn das so ist, überlegte
Lisa, dann hat es Oma ja endlich richtig gut nach all den
Schmerzen. Und sie stellte sich vor, wie Gott der Oma Stupps mit
einem großen Taschentuch die Augen trocknet. Er sah sie
dabei sicher ganz lieb und freundlich an. „Und wenn ich
einmal tot bin oder du?“ Ihre Mutter streichelte ihr über
den Kopf: „Dann sehen wir uns alle im Himmel wieder, dann
ist da unser Zuhause.“ Das ist gut, freute sich Lisa, dann
sind wir ja alle irgendwann wieder zusammen.“
|
||
|
Eine Geschichte von ©P.Eitner |
||